29 Jahre Tier- Zahnheilkunde: 1987-2016

 Gingivostomatitis der Katze

Sehr häufig diagnsostiziert man (bei jungen Katzen) eine marginale Gingivitis sowie eine Gingivitis mit moderater Stomatitis bei erwachsenen Tieren. Ein sehr frustrierendes Krankheitsbild allerdings ist die chronische Gingivitis mit erheblicher Stomatitis. Die ulzerative, häufig auch ulzeroproliferative, chronische Entzündung des Zahnfleisches, der Backenschleimhaut sowie des Rachens ist eine extreme Reaktion der Abwehrzellen der Mundhöhle gegen bakteriellen Zahnbelag (vergleichbar mit einer allergischen Reaktion) Die Reaktion ist weitaus extremer wie z.B. die der Parodontose, welche ebenfalls durch Bakterien verursacht wird.
Die GS ist eine sehr schmerzhafte Erkrankung der Mundhöhle bei der Katze. Typisches Erscheinungsbild sind: hochrote Entzündung von Zahnfleisch, Wangenschleimhaut, Rachen und Zungenbändchen. Die Oberfläche der Schleimhäute scheint bläschenartig höckrig. Meist sind die Symptome im Bereich der Eck-und Schneidezähne weniger deutlich ausgebildet. Typisch für diese Erkrankung ist die extreme Schmerzhaftigkeit, die sich durch Verhaltensänderungen der Katze ausdrückt (Schreien, Ausspucken von Futter, unterdrücktes Gähnen, offenes Mäulchen, Zeigen der Zungenspitze, „sabbern“, Gewichtsverlust).
Im klinischen Bild wie auch röntgenologisch ist Parodontose in verschiedenen Schweregraden zu diagnostizieren. FORL in allen Stadien kann zusätzlich vorkommen.

Ursache:

Die genaue Ursache dieser Erkrankung ist nicht bekannt. Die chronische Gingivostomatitis wird histologisch durch ein Infiltrat von Zelltypen bestimmt, wobei Plasmazellen und Lymphozyten (Entzündungszellen) dominieren. Es wurden auch eine polyclonale hypergammaglobolinaemie und polyglonale Plasmazellinfiltrat mit Ig G Antikörpern diagnostiziert. Dies läßt eine immunologische Basis für diese Krankheitsbild vermuten. Experemintell konnte diese Erkrankung bei Katzen weder durch künstliche Infektion mit Bakterien oder Viren erzeugt werden. Allerdings scheint es, daß Katzen die positiv auf FIV, oder Calicivirus geteste sind, häufiger erkranken. Die Lokalisation der ulzerativen Läsionen wie auch der hohe Ig Serumspiegel gegen gramnegative Anarobier welche bei Katzen praedominieren lassen den Schluß zu, daß bakterieller Zahbelag die direkte oder indirekte Ursache für dies Krankheit sein kann.

Therapie:

Derzeit werden verschieden Behandlungsmöglichkeiten diskutiert, allerdings mit teilweise unbefriedigenden Resultaten.: Professionelle Prophylaxe mit effektiver Nachsorge durch den Besitzer (Zähneputzen Spülung mit 2% Chlorhexidin), Antibiose ( Clindamycin, Metronidazol-Spiramyzin, Amoxyzillin-Clavulanate, Tetrazykline), Steroide, Hormone, Immunosuppressiva (Aurothioglukose, Azathioprine, Cyclophosphamide), Immunostimulation (Pind- Orf), antivirale Behandlung (AZT, PMEA), Schmerztherapie, CO 2 Lasertherapie; Photoaktive Substanzen (MC 540, experimentell)
Die chronische Gingivostomatitis scheint eine multifaktorielle Erkrankung zu sein, d.h. daß verschieden Ursachen im Zusammenspiel den Ausbruch der Krankheit verursachen. Solange die Ursachen nicht gefunden sind, ist eine gezielte Therapie nicht möglich. So wird in jedem einzelnen Fall eine auf die Katze abgestimmte, individuelle Therapie gefunden werden müssen.
Sollten nach einem Zeitraum von ca. 2 Monaten keine dauerhafte Besserung festgestellt werden, ist an eine Extraktion aller Backenzähne, sowie im Einzelfall aller Zähne zu raten. Der Erfolg ist überaus positiv.

 

 

G/S ist eine äußerst schmerzhafte Erkrankung der Katze die deren Allgemeinzustand und Verhalten nachhaltig negativ beeinflußt. Tierbesitzer berichten übereinstimmend, daß sich die Tiere nach erfolgreicher Behandlung grundlegend verändern und zu ihren normalen Verhaltensweisen zurückkehren.

Ein typischer Fall war „Bommel“, ein 8 jähriger Norwegischer Waldkater, der seid 6 Jahren mit Kortison, Hormonen und Antibiotika behandelt worden war. Die Zähne wurden 2x jährlich unter Narkose gesäubert. Die in diesem Text eingefügten Bilder zeigen den Zustand : es hatte sich kein Erfolg eingestellt: der Kater wog 3,5 kg, hatte strähniges Fell da er sich nicht mehr putzen konrte, die Augen waren starr und weit und vermittelten den Eindruck die Katze würde sich in Panik befinden, die Zungenspitze war sichtbar. All diese Symptome weisen daraufhin, daß die Katze unter erheblichen Schmerzen leidet. 

 

Ca. 3 Monate nach erfolgreicher Behandlung bietet die Katze ein ganz anderes Bild: sie wiegt 6, 5 kg und ist entspannt, da schmerzfrei. Bis zum heutigen Tag ist Bommel frei von jeglichen Krankheitssymptomen und nimmt keinerlei Medikamente mehr ein.

 

 

 

   

Bommel vor

 

und nach der OP

Veterinary Dental Service-Dr.Isabella Kühn  |  Dr.I.Kuehn@t-online.de Tel.: 0049-172- 860 55 10